„Amor als Sieger” - Michelangelo Merisi da Caravaggio
1601/02, Gemäldegalerie in Berlin


Wenn wir uns dem Bild „Amor” von Caravaggio nähern, fühlen wir uns sofort angesprochen, sein direkter Blick ist verführerisch und provokant. Der kleine unverhüllte Junge scheint uns aufzufordern zu einem Spiel. Doch so leicht lassen wir uns nicht darauf ein. Denn irgendetwas beunruhigt uns, wir können ihn nicht einordnen: Ist er ein Junge oder ein Mann? Führt er böses im Schilde oder will er nur spielen? Was hat er angestellt? Es ist wie ein Kräftemessen das wir mit ihm austragen, lassen wir uns auf das ein, was er uns verspricht, was uns so verlockend aber gleichzeitig gefährlich und verboten erscheint?
Bei dem Bild „Amor” von Caravaggio kann ein kleiner ungezogener Junge zum Sinnbild für Chaos und Haltlosigkeit werden. Das Bild eröffnet uns einen Blick auf unseren Umgang mit Verlockungen und „unmoralischen Angeboten”. Wir erfahren wie weit wir gehen, wenn alles erlaubt ist und die Verführung groß ist. Doch auch entdecken, wann das Spiel für uns zu weit geht, das Ganze kippt und wann wir für uns eine Grenze ziehen.

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ZUR BEACHTUNG:
Die Bildanalysen sind entstanden durch die wissenschaftliche Beschreibung von Erlebensprozessen der Teilnehmer an BILDERLEBEN-Workshops. Nur durch einen Erlebensprozess bekommt man einen Zugang zum Kunstwerk. Die Beschreibung öffnet den Betrachtern den Weg zur Struktur des Werkes, die im Alltag unbewusst ist.

Verwendung der Bilder unter CCC-Licence.