Ernst Ludwig Kirchner, Fünf Frauen auf der Straße (1913),
Museum Ludwig, Köln


Das Bild beginnt fies und unangenehm. Das ist giftgrün, irgendwie verschwommen, verwischt, so ähnlich wie Slime! Aber es ist nicht nur fies, die Frauen sind auch elegant. Das ist unpassend, da stimmt was nicht. Das Unpassende zeigt sich in verschiedenen Zügen. Die fünf Frauen sind irgendwie uniform gekleidet, aber doch wenden sie sich alle voneinander ab. „Die versuchen sich den Millionär zu angeln, würden aber lieber mit dem Chauffeur durchbrennen.“ Ihre Gesichter sehen fahl und ungesund aus, fett geschminkt, das kann doch keine Modenschau sein! Eine Tanzgruppe im Autohaus. Sie lassen sich Autos zeigen, haben aber kein Geld, um eines zu kaufen. Sie wirken arrogant, aber auch betrübt. Das ist bedrückend und irritierend. Das Ganze wird irgendwie als verlogen erlebt. Noch unangenehmer wird es, wenn uns das an uns selbst erinnert. „Ungeschminkt gehe ich nicht zum Bäcker.“ Schön, reich, anziehend, elegant, erfolgreich... so wollen wir uns alle verkaufen. Das ist natürlich immer nur die halbe Wahrheit, die wir am liebsten als das Ganze darstellen möchten. Aber die andere Hälfte lässt sich jedoch nicht verleugnen.

Ernst Ludwig Kirchner, Fünf Frauen auf der Straße

 
 

ZUR BEACHTUNG:
Die Bildanalysen sind entstanden durch die wissenschaftliche Beschreibung von Erlebensprozessen der Teilnehmer an BILDERLEBEN-Workshops. Nur durch einen Erlebensprozess bekommt man einen Zugang zum Kunstwerk. Die Beschreibung öffnet den Betrachtern den Weg zur Struktur des Werkes, die im Alltag unbewusst ist.

Verwendung der Bilder unter CCC-Licence.