Schule, Jugend und Integration

Heutzutage leben Jugendliche mit einem enormen Leistungsdruck und Zukunftsängsten. Gerade in der Phase der Identitätssuche gestaltet sich der Umgang damit schwer. Oft wissen sie nicht, wofür sie leben, arbeiten und streiten sollen und reagieren mit Lustlosigkeit, Vorwürfen, "sinnloser" Aggression oder Intoleranz gegenüber Schwächeren und anderen Kulturen. Schulen und Jugendzentren kennen die Probleme der heranwachsenden Generation sehr genau, doch bleibt unter der Anspannung von Lehr- und Leistungsplänen wenig Raum zum Gegensteuern. Wo Freiräume entstehen (wie in der Ganztagsschule oder in Jugendzentren), fehlen oft die Mittel, gegen Verunsicherung, Orientierungslosigkeit und Gewalt gezielt vorzugehen.

In der Schule wird überwiegend in logisch, rationalen Strukturen gedacht. Neben festgelegten Lehrplänen, finden Freiräume zur Selbstreflexion und persönlichen Entwicklung oft keinen Platz. Im Austausch mit Kunst können wir diese Freiräume schaffen.

BILDERLEBEN für Jugendliche bietet:

  • Eine völlig neue, faszinierende Art Kunst zu erleben,
  • einen intuitiven Zugang zu den Meisterwerken von Botticelli bis Penck und
  • ein Medium zur Selbst- und Gruppenreflexion.

Aber Kunst kann noch viel mehr. Kunst eröffnet Gruppen und Klassen von Jugendlichen einen Zugang ihre Wirklichkeit zu erkennen. Sie bietet Erfahrungsräume in denen wir uns im geschützten Raum mit den Bedingungen des eigenen Lebens und Erlebens anders und sinnstiftend auseinandersetzen können. Zugleich hilft die Arbeit mit Kunst den Jugendlichen sich aus festgefahrenen, gruppendynamischen Prozessen zu befreien und vor allem den Blick auf sich und auf andere zu sensibilisieren und zu reflektieren.



Dr. Heiling - Schulprojekt bei YouTube.



Methode
Kunstwerke dienen in unserer Methodik als Schlüssel zu neuen Erlebniswelten. Durch die intensive Auseinandersetzung mit einem Bild eröffnet sich weit mehr als man dem Bild vordergründig zuschreiben würde. Kunstwerke sind nicht nur starre Abbilder, sondern sie treten mit uns während der Betrachtung in einen lebendigen Austausch. Angefangen beim ersten Eindruck geraten wir mit dem Bild in eine Entwicklung. Zunächst Gesetztes wird im nächsten Moment in Frage gestellt, umgedeutet, mehrmals aufgebrochen und dann wieder zueinander in Beziehung gesetzt. Das Kunstwerk dient demnach als "Spielwiese," auf der sich ein kreativer Prozess entfalten kann. Dabei vereinen Bilder Widersprüchliches und lassen uns die Komplexität der Wirklichkeit erfahren. Anstatt uns vorschnell für eine Position entscheiden zu müssen, ermöglicht uns das Bild mehrere Sichtweisen zuzulassen und auszuprobieren.
Die Bildbetrachtung passiert nicht unabhängig von dem Betrachter selbst, sie kann als kreative Methode der Selbstreflexion genutzt werden. Sie gibt Einblick in die eigenen Umgangsformen mit verschiedenen Grundthematiken des Alltags und in die eigene Lebensgeschichte.
Es kommt jedoch nicht nur zu einem Dialog zwischen Betrachter und Bild, sondern auch unter den Teilnehmern. Sie geraten darüber in Austausch, wie der eigene Umgang mit der Wirklichkeit gestaltet ist. Dadurch lernen sie, sich selbst und andere neu zu verstehen und eingefahrene Strukturen aufzubrechen. Dabei geraten Rollenverteilungen und Zuschreibungen spürbar in Bewegung. Am Ende steht die Erfahrung, dass erst durch die Integration aller Sichtweisen komplexe Grundthematiken entschlüsselt werden können.

Workshop für Jugendliche
Es geht in den Workshops zunächst darum, vorgegebene Denkmuster und festgefahrene Strukturen zu erkennen, um sich für neue Gedanken und Ideen zu öffnen.
Im Vordergrund steht das unzensierte, freie Erleben. Wissen, Logik und Rationales sind nicht gefragt. Auch Wertungen oder Einordnungen wie richtig – falsch gibt es nicht. Stress und Schnelligkeit des Alltags bleiben einmal draußen.
Das Erleben gestaltet sich jedoch nicht losgelöst und beliebig, sondern steht immer in direktem Zusammenhang zum jeweiligen Bild. Jedes Kunstwerk beinhaltet eine eigene Grundthematik, die im Workshop erfahren wird. Dabei geht es um existentielle Themen, die in alltäglichen Problemen ihren Ausdruck finden und mit denen Jugendliche, ihre Lehrer und Betreuer ständig konfrontiert sind.
Es kann mit den Jugendlichen während eines Workshops zum Beispiel thematisiert werden wie sie mit Rollenverteilungen umgehen. Welche Rolle(n) werden im alltäglichen Leben mit der Familie oder in der Schule eingenommen und gelebt? Gibt es dabei grundlegende Unterschiede zu der Rolle im Freundeskreis? Wird diese eher selbst bestimmt und ist der Jugendliche sich seiner verschiedenen Rollen überhaupt bewusst?
Durch Rollenreflexion innerhalb einer Klasse können Grenzen aufgebrochen und der Umgang mit Konflikten erörtert werden. Dabei kann das Verständnis unter- und füreinander geöffnet werden.

Auch wird gerade in der heutigen Zeit Jugendlichen schon früh nahegelegt sich mit den eigenen Zukunftsperspektiven auseinanderzusetzen. Wie ist jedoch der Umgang innerhalb einer Klasse wenn Zukunftsängste zum Thema werden? Welche verschiedenen Vorstellungen vom Leben begegnen den Schülern innerhalb ihrer Klasse? Dabei können wir gemeinsam erreichen, dass neue Zukunftsperspektiven durch die Klasse selbst gesehen werden und der Austausch zwischen den Schülern zu einem stärkeren Gemeinschaftsgefühl führt.

Ablauf des Workshops
Vor dem Workshop sprechen wir mit den Klassenlehrern oder Betreuern, welche konkreten Probleme sie gerade beschäftigen. Wir suchen daraufhin Kunstwerke aus, um diese Probleme gezielt anzugehen, Lösungswege zu finden und zu entwickeln. In der Nachbereitung fragen wir, was hat sich verändert, was ist in Entwicklung gekommen? Wenn ein mittel- oder langfristiger Prozess gewünscht ist, können wir dadurch das nächste Bild auswählen um die Entwicklung nachhaltig zu gestalten.

Beispiel eines Bilderlebens mit einer 7. Klasse vor Van Gogh's "Brücke von Langlois" im Wallraf-Richartz-Museum, Köln

Wir bitten die Jugendlichen es sich vor dem Bild gemütlich zu machen, es eine Viertelstunde auf sich wirken zu lassen und sich Notizen zu machen, was ihnen dabei durch den Kopf geht. An den erlebten Geschichten, die sie uns zu dem Werk erzählen, kann man sofort erkennen, dass sie instinktiv das Grundthema des Werkes verstanden haben. Es geht um den Übergang zwischen Eigenem und Fremdem. Zunächst beschreiben sie, dass einem das Fremde Angst machen kann – seien es Menschen einer anderen Kultur oder der Klassenkamerad, der an Neurodermitis leidet. Um sich zu schützen sei es besser "die Brücke hoch zu ziehen" und einen Übergang unmöglich zu machen. Dann aber verspüren sie, dass das Fremde das Eigene auch bereichern kann. Also besser "Brücke runterlassen."
Doch der Übergang vom Eigenen zum Fremden oder vom Fremden zum Eigenen muss unter bestimmte Regeln gesetzt werden, sonst könnte man ja erobert werden oder die anderen erobern. Nachdem Regeln gefunden worden sind, kann das jeweils Eigene durch das Fremde bereichert werden. "Wir haben durch die Klassenkameraden, die etwas Fremdes an sich haben, viel gelernt." Die Jugendlichen haben so innerhalb von zwei Stunden verstanden, wie Integration funktioniert. "So ganz nebenbei" haben diese Jugendlichen ein Problem, was die ganze Welt beschäftigt, für sich durch das Kunstwerk in praktikablen Schritten gelöst.

 
Ansprechpartner
Schule und Jugendarbeit:


KÖLN

Anne Theis
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THÜRINGEN

Anne Badel
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